Montag, 31. Dezember 2012

Die unerfassbaren Dinge (AN 4.77)


A.IV.77  Die vier unerfaßbaren Dinge (acinteyya) - 7. Acinteyya Sutta

Vier unerfaßbare Dinge gibt es, ihr Mönche, über die man nicht nachdenken sollte, über welche nachdenkend man dem Wahnsinn oder der Verstörung anheimfallen möchte. Welches sind diese vier Dinge?
  • Der Machtbereich der Buddhas, ihr Mönche, ist etwas Unerfaßbares, über das man nicht nachdenken sollte und über das nachdenkend man dem Wahnsinn oder der Verstörung anheimfallen möchte.
  • Der Machtbereich der Vertiefungen (*1) - 
  • die [genaue] Wirkung der Taten (kamma-vipāka)  
  • das Grübeln über die Welt ist etwas Unerfaßbares, worüber man nicht nachdenken sollte, und worüber nachdenkend, man dem Wahnsinn oder der Verstörung anheimfallen möchte.

Samstag, 29. Dezember 2012

Fischersohn Sati (M 38)


Sāti, ist es wahr, daß folgende schädliche Ansicht in dir entstanden ist: 'So wie ich das Dhamma, das vom Erhabenen gelehrt wird, verstehe, ist es ein und dasselbe Bewußtsein, das den Kreislauf der Wiedergeburten durchläuft, nicht ein anderes.'?"
"Das stimmt, ehrwürdiger Herr. So wie ich das Dhamma, das vom Erhabenen gelehrt wird, verstehe, ist es ein und dasselbe Bewußtsein, das den Kreislauf der Wiedergeburten durchläuft, nicht ein anderes."
"Was ist jenes Bewußtsein, Sāti?"
"Ehrwürdiger Herr, es ist das, was spricht und fühlt und hier und da die Resultate guter und schlechter Taten erfährt."
"Du fehlgeleiteter Mensch, wen sollte ich jemals das Dhamma auf solche Weise gelehrt haben? Du fehlgeleiteter Mensch, habe ich nicht in vielen Lehrreden dargelegt, daß Bewußtsein bedingt entsteht, weil es ohne Bedingung keine Entstehung von Bewußtsein gibt? Aber, du fehlgeleiteter Mensch, du hast uns durch dein falsches Verständnis falsch dargestellt und dich dadurch selbst verletzt und viel Unverdienst angehäuft; denn dies wird dir lange zum Schaden und zum Leid gereichen."
Dann richtete sich der Erhabene folgendermaßen an die Bhikkhus: "Ihr Bhikkhus, was meint ihr? Hat dieser Bhikkhu Sāti, der Sohn eines Fischers, auch nur einen Funken Weisheit in diesem Dhamma und dieser Disziplin entzündet?"
"Wie könnte er das, ehrwürdiger Herr? Nein, ehrwürdiger Herr."

Erinnerung an frühere Aufenthalte (SN 22.79)


Diejenigen Asketen und Brahmanen, Bhikkhus, die sich vielfältiger früherer Aufenthalte (pubbenivasa) erinnern, erinnern sich alle an die fünf Anhäufungen (khanda) oder an eine von ihnen

'Solche Form hatte ich in früherer Zeit', sich so erinnernd, erinnert man sich an die Form.
'Solches Gefühl ...
solche Wahrnehmung ...
solche Gestaltungen ...
solches Bewusstsein hatte ich in früherer Zeit', sich so erinnernd, erinnert man sich an Bewusstsein.

Und warum, Bhikkhus, sprecht ihr von 'Form'? Weil man von ihr deformiert wird (ruppati), daher heißt es 'Form'. Und wovon wird man deformiert?
Von Kälte ...
von Hitze ...
von Hunger ...
von Durst ...
von der Belästigung durch Fliegen, Mücken, Kriechtiere, Wind & Sonne. Weil man davon deformiert wird, heißt es 'Form'.

Und warum, Bhikkhus, sprecht ihr von 'Gefühl'? Weil es gefühlt wird, Bhikkhus, daher heißt es 'Gefühl'. Und was wird gefühlt?
Angenehmes ...
Unangenehmes ...
weder-Angenehmes-noch-Unangenehmes wird gefühlt. Weil es gefühlt wird, Bhikkhus, daher heißt es 'Gefühl'.

Und warum, Bhikkhus, sprecht ihr von 'Wahrnehmung'? Weil man wahrnimmt, Bhikkhus, daher heißt es 'Wahrnehmung'. Und was nimmt man wahr?
Blaues ...
Gelbes ...
Rotes ...
Weißes nimmt man wahr. Weil man wahrnimmt, Bhikkhus, daher heißt es 'Wahrnehmung'.

Und warum, Bhikkhus, sprecht ihr von 'Gestaltungen' (sankhāra)? Weil sie ein Gestaltetes gestalten, Bhikkhus, daher heißt es 'Gestaltungen'. Und was für ein Gestaltetes gestalten sie?
Form, die ein Gestaltetes ist, gestalten sie zur Form;
Gefühl ...
Wahrnehmung ...
Gestaltungen ...
Bewusstsein, das ein Gestaltetes ist, gestalten sie zu Bewusstsein. Weil sie Gestaltetes gestalten, Bhikkhus, daher heißt es 'Gestaltungen'.

Und warum, Bhikkhus, sprecht ihr von 'Bewusstsein'? Weil man sich bewusst ist, Bhikkhus, daher heißt es 'Bewusstsein'.

Und wessen ist man sich bewusst? Des Saueren ist man sich bewusst
des Bitteren ...
des Scharfen
des Süßen ...
des Herben ...
des Milden ...
des Salzigen
des Nichtsalzigen ist man sich bewusst. Weil man sich bewusst ist, Bhikkhus, daher heißt es 'Bewusstsein'.

Dienstag, 11. Dezember 2012

Persönliches Kamma & Bedingtes Entstehen (SN 12.17)

"Nun denn, guter Gotama, wird Leiden von einem selbst erzeugt?"

"Nicht wirklich, Kassapa", sagte der Erhabene.

"Nun denn, guter Gotama, wird Leiden von anderen erzeugt?"

"Nicht wirklich, Kassapa."

"Nun denn, guter Gotama, wird Leiden von einem selbst und von anderen erzeugt?"

"Nicht wirklich, Kassapa."

"Nun denn, guter Gotama, wird Leiden weder von einem selbst, noch von anderen erzeugt, entsteht es zufällig?"

"Nicht wirklich, Kassapa."

"Nun denn, guter Gotama, ist Leiden nicht existent?"

"Nicht wirklich, Kassapa: Leiden ist nicht 'nicht existent'. Leiden existiert."

"Dann kennt der gute Gotama das Leiden also nicht, noch sieht er es."

"Nein, Kassapa, es ist nicht so, dass ich Leiden nicht kenne, noch sehe: Ich kenne Leiden, ich sehe Leiden.

"Nun denn, guter Gotama, wenn ich dich fragte 'Wird Leiden von einem selbst erzeugt?', hast du geantwortet 'Nicht wirklich' [und so weit für all die anderen Fragen.] Würde der gute Herr, der Erhabene, mir das Leiden erklären! Würde der gute Herr, der Erhabene mich über das Leiden belehren!"

"'Derjenige, der die Tat ausübt, erfährt auch [das Ergebnis]' - was du, Kassapa, zuerst 'Leiden von einem selbst erzeugt' genannt hast - das läuft auf den Ewigkeitsglauben hinaus. 'Eine Person übt eine Tat aus, eine andere erfährt' - was für die betroffene Person aussieht wie "Leiden von einem anderen erzeugt' - das läuft auf den Vernichtungsglauben hinaus. Indem er beides vermeidet, Kassapa, lehrt der Tathagata eine Lehre von der Mitte:

Bedingt durch Unwissenheit als Ursache entstehen die (Kamma-)Gestaltungen
durch Gestaltungen entsteht Bewusstsein
durch Bewusstsein entsteht Name-&-Form
durch Name-&-Form entstehen die sechs Sinnestore
durch die sechs Sinnestore entsteht Kontakt
durch Kontakt entsteht Gefühl
durch Gefühl entsteht Verlangen
durch Verlangen entsteht Anhaften
durch Anhaften entsteht Werden
durch Werden entsteht Geburt
durch Geburt kommen dann Alter & Tod, Sorge, Kummer, Leid, Bedrängnis & Verzweiflung ins Spiel. Auf solche Art kommt die gesamte Masse des Leidens & Stress zustande.

Aber von der restlosen Auflösung & Stillung der Unwissenheit kommt die Stillung der (Kamma-)Gestaltungen.
die Stillung des Bewusstseins
die Stillung von Name-&-Form
die Stillung der sechs Sinnestore
die Stillung des Kontakts
die Stillung des Gefühls
die Stillung des Verlangens
die Stillung der Anhaftung
die Stillung des Werdens
die Stillung der Geburt
von der Stillung der Geburt werden Alter & Tod, Sorge, Kummer, Leid, Bedrängnis & Verzweiflung gestillt. Auf solche Art wird die gesamte Masse des Leidens & Stress gestillt.

- SN 12.17