Sonntag, 10. März 2013

SN 12.61 Körper beständiger als Geist


S.12.61. Von dem Un-unterrichteten - 1. Assutavā Sutta


1. Also habe ich vernommen.
Einstmals weilte der Erhabene in Sāvatthī, im Jetahaine, im Parke des Anāthapindika.

2. "Ein un-unterrichteter gewöhnlicher [166] Mensch, ihr Bhikkhus, mag wohl gegen diesen Körper, der aus den vier groben Elementen [167] gebildet ist, Widerwillen fassen, mag gegen ihn gleichgültig werden, mag von ihm sich loslösen [168].

3. Warum das? Man sieht, ihr Bhikkhus, an diesem Körper, der aus den vier groben Elementen gebildet ist,
  • Mehrung (ācaya) und
  • Minderung (apacaya),
  • Annahme (ādāna) und
  • Ablegung (nihkhepana).
Darum mag wohl ein ununterrichteter gewöhnlicher Mensch gegen ihn Widerwillen fassen, mag gegen ihn gleichgültig werden, mag von ihm sich loslösen.

4. Was aber da, ihr Bhikkhus, Denken heißt, und Geist und Bewußtsein, dagegen ist ein ununterrichteter gewöhnlicher Mensch nicht imstande Widerwillen zu fassen, nicht imstande dagegen gleichgültig zu werden, nicht imstande davon sich loszulösen.

5. Warum das? Lange Zeit hindurch, ihr Bhikkhus, ist das ja von dem ununterrichteten gewöhnlichen Menschen angestrebt, begehrt, verlangt: das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst. Darum ist ein ununterrichteter gewöhnlicher Mensch nicht imstande dagegen Widerwillen zu fassen, nicht imstande dagegen gleichgültig zu werden, nicht imstande davon sich loszulösen.

6. Es ist besser, ihr Bhikkhus, wenn ein ununterrichteter gewöhnlicher Mensch diesen Körper, der aus den vier groben Elementen gebildet ist, als sein Selbst annimmt [170], nicht aber das Denken.

7. Warum das? Man sieht, ihr Bhikkhus, wie dieser Körper, der aus den vier groben Elementen gebildet ist, ein Jahr besteht, wie er zwei Jahre besteht, wie er drei Jahre besteht, wie er vier Jahre besteht, wie er fünf Jahre besteht, wie er zehn Jahre besteht, wie er zwanzig Jahre besteht, wie er dreißig Jahre besteht, wie er vierzig Jahre besteht, wie er fünfzig Jahre besteht, wie er ein Jahrhundert besteht, wie er noch länger besteht. Was aber da, ihr Bhikkhus, Denken heißt und Geist und Bewußtsein da entsteht bei Nacht und bei Tag eines und ein anderes wird aufgehoben[171].

8. Gerade so, ihr Bhikkhus, wie ein Affe, der in der Wildnis, im Walde sich ergeht, einen Zweig ergreift, und wenn er ihn losgelassen, ergreift er einen anderen (Zweig). Ebenso (ist es mit dem) was da, ihr Bhikkhus, Denken heißt und Geist und Bewußtsein: da entsteht bei Nacht und bei Tag eines und ein anderes wird aufgehoben.

9. Ein unterrichteter frommer Jünger, ihr Bhikkhus, erwägt da gut und reiflich das Gesetz von der ursächlichen Entstehung: wenn jenes ist, tritt dieses ein; aus der Entstehung von jenem folgt die Entstehung von diesem; wenn jenes nicht ist, tritt dieses nicht ein; aus der Aufhebung von jenem folgt die Aufhebung von diesem. Das heißt:
  • aus dem Nichtwissen als Ursache entstehen die Gestaltungen;
  • aus den Gestaltungen als Ursache entsteht das Bewußtsein
  • aus dem Bewußtsein als Ursache entsteht Geist und Körper;
  • aus Geist und Körper als Ursache entstehen die sechs Sinnesbereiche;
  • aus den sechs Sinnesbereichen als Ursache entsteht die Berührung;
  • aus der Berührung als Ursache entsteht die Empfindung;
  • aus der Empfindung als Ursache entsteht der Durst;
  • aus dem Durst als Ursache entsteht das Erfassen
  • aus dem Erfassen als Ursache entsteht das Werden;
  • aus dem Werden als Ursache entsteht die Geburt;
  • aus der Geburt als Ursache entstehen Alter und Tod, Schmerz, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung.
Auf solche Art kommt der Ursprung der ganzen Masse des Leidens zustande.

10. Aus dem restlosen Verschwinden aber und der Aufhebung des Nichtwissens folgt Aufhebung der Gestaltungen;
  • aus der Aufhebung der Gestaltungen folgt Aufhebung des Bewußtseins
  • aus der Aufhebung des Bewußtseins folgt Aufhebung von Geist und Körper,
  • aus der Aufhebung von Geist und Körper folgt Aufhebung der sechs Sinnesbereiche,
  • aus der Aufhebung der sechs Sinnesbereiche folgt Aufhebung der Berührung,
  • aus der Aufhebung der Berührung folgt Aufhebung der Empfindung,
  • aus der Aufhebung der Empfindung folgt Aufhebung des Durstes,
  • aus der Aufhebung des Durstes folgt Aufhebung des Erfassens,
  • aus der Aufhebung des Erfassens folgt Aufhebung des Werdens,
  • aus der Aufhebung des Werdens folgt Aufhebung der Geburt,
  • aus der Aufhebung der Geburt folgt Aufhebung von Alter und Tod, Schmerz, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung.
Auf solche Art kommt die Aufhebung der ganzen Masse des Leidens zustande.

11. Wenn ein unterrichteter frommer Jünger so sieht, dann
  • faßt er Widerwillen gegen die Form,
  • faßt Widerwillen gegen die Empfindung,
  • faßt Widerwillen gegen die Wahrnehmung,
  • faßt Widerwillen gegen die Gestaltungen,
  • faßt Widerwillen gegen das Bewußtsein
(d.h. gegen khandha).
Und wenn er Widerwillen faßt, wird er gleichgültig, und infolge der Gleichgültigkeit löst er sich los. Wenn er sich losgelöst hat, entsteht in ihm die Erkenntnis: ich habe mich losgelöst [173]. Er erkennt: vernichtet ist die Geburt; gelebt der heilige Wandel; vollbracht ist was zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein. 

Sonntag, 3. März 2013

Die Lotus-Asketen (AN 4.87)

Bhikkhus, es gibt diese vier Arten von Personen, die in der Welt existieren. Welche vier? Der unerschütterliche Asket, der 'rote Lotus'-Asket, der 'weiße Lotus'-Asket & der feine Asket unter den Asketen.

"Und inwiefern, Bhikkhus, ist eine Person ein unerschütterliche Asket? Hier ist ein Bhikkhu ein Lehrling, der den Weg übt & die unübertroffene Bürdenfreiheit anstrebt. Ebenso wie der älteste Sohn eines kopfgesalbten Königs - einer der die Krönung vor sich hat, aber noch nicht gekrönt ist - das Unerschütterliche erlangt hätte, genau so ist ein Bhikkhu ein Lehrling, der den Weg übt & die unübertroffene Bürdenfreiheit anstrebt. Es ist insofern, dass eine Person ein unerschütterliche Asket ist.

"Und inwiefern ist eine Person ein 'weiße Lotus'-Asket? Hier hat ein Bhikkhu mit der Vernichtung der Triebe für sich selbst, in diesem Leben, die triebfreie Befreiung des Geistes, die Befreiung durch Weisheit verwirklicht, und nachdem er in diese eingetreten ist, verweilt er darin; dennoch verweilt er nicht, indem er mit dem Körper die acht Loslösungen berührt hat. Es ist insofern, dass eine Person ein 'weiße Lotus'-Asket ist.

"Und inwiefern ist eine Person ein 'roter Lotus'-Asket? Hier hat ein Bhikkhu mit der Vernichtung der Triebe für sich selbst, in diesem Leben, die triebfreie Befreiung des Geistes, die Befreiung durch Weisheit verwirklicht, und nachdem er in diese eingetreten ist, verweilt er darin; und er verweilt, indem er mit dem Körper die acht Loslösungen berührt hat. Es ist insofern, dass eine Person ein 'rote Lotus'-Asket ist.

"Und inwiefern ist eine Person ein feiner Asket unter den Asketen? Hier benutzt ein Bhikkhu für gewöhnlich eine Robe ... isst eine Almosenspeise ... benutzt eine Behausung ... eine Medizin & Vorkehrungen für Kranke, die ihm ausdrücklich angeboten wurden, selten welche, die ihm nicht ausdrücklich angeboten wurden. Seine Mitmönche, jene mit denen er wohnt, verhalten sich ihm gegenüber für gewöhnlich auf eine wohlwollende Art mit Körper, Sprache & Geist, selten auf eine nicht wohlwollende Art. Sie tragen ihm für gewöhnlich etwas wohlwollend vor, selten etwas nicht wohlwollendes. Unbehagen verursacht durch Galle, Schleim, Körperwinde oder deren Kombination; Unbehagen ausgelöst durch Klimaveränderung; Unbehagen ausgelöst durch sorgloses Verhalten; Unbehagen ausgelöst durch Angriff; oder Unbehagen ausgelöst durch Kammawirkung - diese steigen nicht oft in ihm auf. Er ist selten krank. Nach Belieben erlangt er, ohne Mühe oder Schwierigkeit, die vier Jhanas, die den höheren Geist ausmachen & angenehme Verweilzustände in in diesem Leben sind. Mit der Vernichtung der Triebe hat er für sich selbst mit direktem Wissen, in diesem Leben, die triebfreie Befreiung, die Befreiung durch Weisheit verwirklicht; und nachdem er in diese eingetreten ist, verweilt er darin. Es ist insofern, dass eine Person ein feiner Asket unter den Asketen ist.

"Falls, Bhikkhus, einer berechtigterweise über irgendjemanden sagen könnte: 'Er ist ein feiner Asket unter den Asketen', so ist es genau von mir, dass jemand das sagen könnte. Denn ich benutze für gewöhnlich eine Robe … esse eine Almosenspeise … benutze eine Behausung … eine Medizin & Vorkehrungen für Kranke, die mir ausdrücklich angeboten wurden; selten welche, die mir nicht ausdrücklich angeboten wurden. Jene Bhikkhus, mit denen ich wohne, verhalten sich für gewöhnlich mir gegenüber auf eine wohlwollende Art in Körper, Sprache & Geist, selten auf eine nicht wohlwollende Art. Sie tragen mir für gewöhnlich etwas wohlwollend vor, selten etwas nicht wohlwollendes. Unbehagen verursacht durch Galle, Schleim, Körperwinde oder deren Kombination; Unbehagen ausgelöst durch Klimawechsel; Unbehagen ausgelöst durch sorgloses Verhalten; Unbehagen ausgelöst durch Angriff; oder Unbehagen ausgelöst durch Kammawirkung – diese steigen nicht oft in mir auf. Ich bin selten krank. Nach Belieben erlange ich, ohne Mühe oder Schwierigkeit, die vier Jhanas, die den höheren Geist ausmachen & angenehme Verweilzustände in diesem Leben sind. Mit der Vernichtung der Triebe habe ich für mich selbst mit direktem Wissen, in diesem Leben, die triebfreie Befreiung, die Befreiung durch Weisheit verwirklicht; und nachdem ich in diese eingetreten bin, verweile ich darin. Falls jemand berechtigterweise von jemandem sagen könnte: 'Er ist ein feiner Asket unter den Asketen', so ist es genau von mir, dass jemand dies sagen könnte. 

"Dies, Bhikkhus, sind die vier Arten von Personen, die in der Welt existieren."


AN 4.87